Delegieren lernen: Warum es Führungskräften so schwer fällt
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Delegieren lernen scheitert in den seltensten Fällen an fehlender Zeit oder fehlender Methodik. Der eigentliche Grund liegt in der Kontrolle: Wer Aufgaben abgibt, gibt auch die Sicherheit ab, dass sie so laufen, wie man selbst es tun würde. Genau dieser Punkt entscheidet, ob Delegieren gelingt oder bei der guten Absicht stehen bleibt.
Warum "keine Zeit" selten der wahre Grund ist
Die meisten Führungskräfte sagen, sie hätten keine Zeit, Aufgaben ordentlich zu übergeben. Das stimmt oft im Detail, aber selten im Kern. Wer eine Aufgabe wirklich abgeben will, findet die zwanzig Minuten für eine klare Übergabe. Was fehlt, ist meist nicht Zeit, sondern die Bereitschaft, das Ergebnis danach anders aussehen zu lassen, als man es selbst gemacht hätte.
Ich habe das im Handel oft erlebt, bei mir selbst genauso wie bei Führungskräften, die ich begleitet habe. Der Filialleiter, der die Dienstplanung nicht abgibt, weil "die anderen das nicht so im Blick haben". Die Teamleiterin, die jede Kundenreklamation selbst übernimmt, weil sie es schneller kann. Beides ist wahr, und beides verhindert, dass jemand anderes lernt, es zu können.

Der eigentliche Hebel: Ergebnis statt Weg definieren
Delegieren funktioniert, sobald Sie das Ergebnis klar machen und den Weg dorthin loslassen. Das ist der Unterschied zwischen "mach das genauso wie ich" und "das Ergebnis soll so aussehen, den Weg dahin entscheiden Sie". Die zweite Variante fühlt sich zunächst unsicherer an, weil Sie weniger Kontrolle über den Prozess haben. Sie ist aber die einzige, die auf Dauer trägt.
Konkret heißt das: Legen Sie fest, woran Sie und die andere Person erkennen, dass die Aufgabe gut erledigt ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die drei häufigsten Delegations-Fehler
Zu spät delegieren. Wenn eine Aufgabe schon unter Zeitdruck steht, ist es zu spät für eine saubere Übergabe. Delegieren gehört in ruhige Momente, nicht in Krisen.
Zu vage delegieren. "Kümmer dich mal darum" ist keine Übergabe, sondern eine Verlagerung von Unklarheit. Ohne definiertes Ergebnis wird die Aufgabe entweder gar nicht oder komplett anders erledigt, als Sie es sich vorgestellt hatten.
Zurücknehmen bei erstem Fehler. Der häufigste Grund, warum Delegieren nicht zur Gewohnheit wird: Beim ersten sichtbaren Fehler übernimmt die Führungskraft die Aufgabe wieder selbst. Damit lernt niemand etwas, außer dass Delegieren sich nicht lohnt.
Was bleibt bei Ihnen, auch wenn Sie delegieren
Delegieren heißt nicht, dass Sie sich aus der Verantwortung ziehen. Sie bleiben verantwortlich für das Ergebnis nach außen, auch wenn eine andere Person die Aufgabe ausführt. Was Sie abgeben, ist die Kontrolle über den Weg, nicht die Verantwortung für den Ausgang. Diese Unterscheidung macht vielen Führungskräften das Delegieren leichter, weil sie merken, dass sie nichts von ihrer eigentlichen Verantwortung verlieren.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, welche Aufgaben ich delegieren sollte? Als Faustregel: Alles, was jemand anderes zu 80 Prozent so gut erledigen kann wie Sie, gehört delegiert. Die fehlenden 20 Prozent gleichen sich durch Übung meist schnell aus.
Was, wenn im Team niemand die nötige Erfahrung hat? Dann delegieren Sie zunächst kleinere Teilaufgaben mit engerer Begleitung, statt ganz auf Delegieren zu verzichten. Erfahrung entsteht durch Übernahme, nicht durch Zuwarten.
Wie gebe ich Feedback, ohne wieder alles an mich zu ziehen? Beschreiben Sie das Ergebnis, nicht den Weg. "Das Ziel war X, erreicht wurde Y, lass uns die Differenz anschauen" hält die Verantwortung bei der ausführenden Person, statt sie ihr wieder abzunehmen.
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